“Youtube Star werden” – Wieso es kein Patentrezept gibt

Nachdem ich nun den gefühlten millionsten Artikel zum Thema ‘Youtube Star werden – Die erfolgsversprechenden Grundlagen’ gelesen habe, habe ich mich dazu entschieden, einige kritische Zeilen dazu zu verfassen.

Youtube Stars – die Promis von Youtube

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Konkret Anlass war ein Artikel mit der Headline ‘Grundlagen für den Erfolg auf YouTube’. Es ist schon fast dreist zu behaupten, die Grundlagen für den Erfolg auf Youtube gefunden zu haben, ohne eigene Erfahrung gemacht zu haben. Ich behaupte: Es gibt sie nicht.

Youtube Star werden – Gronkh is almighty

Das größte Problem dieser Experten ist, dass die Grundlagen, die sie versuchen zu formulieren, auf Erfolgsmodellen großer Youtuber basieren. Es werden zwar die richtigen Fragen gestellt (Was hebt mich von der grauen Youtuber-Masse ab?, Was ist die Besonderheit?), aber diese werden falsch beantwortet. Die Antwort lautet Gronkh.
Gronkh ist n = 1. Ein Let’s Player, der über Jahre hin seine Zuschauer mit unterhaltsamen Videos täglich an sich binden konnte und mittlerweile Moderator für sein eigenes (Gaming-)Format ist. Daraufhin entschloss sich die junge Minecraft-Community auch eigene Videos aufzunehmen und hochzuladen. Es gab einen explosionsartigen Anstieg an Let’s Play Channels, die nahezu 1:1 die Art des “Playen”, den Upload-Rhythmus etc. von Gronkh kopierten. Mit ernüchternden Klickzahlen & miesen Bewertungen wurde der “Kanal löschen”-Button immer attraktiver, vor allem wollte man natürlich nicht vor seinen Schullkollegen wie der letzte Trottel dastehen.

Christoph Krachten hatte die Lösung: VideoDay-Workshops für die Talente, bei denen bekannte Youtuber den Teilnehmern Erfolgsrezepte versprachen.

Jeder Youtuber, der da anfängt, hat das Problem, er macht gute Videos, es kommt […] gut an, aber es sehen viel zu wenige. Was kann man da machen? – Lord Abbadon

Ich hab schon immer MysteryGuitarMan geguckt….. – Ein Workshop-Teilnehmer

…. Dadurch motiviert lädt dieser Youtuber ähnliche Videos hoch und wundert sich über die geringe Ausbeute von 113 Abonnenten (Stand 2014: 1500 ca.). LordAbbadon (Dozent für diesen Workshop, Youtube Star mit 25000 Abo’s) löst diese Situation ganz professionell und verkauft den Teilnehmern, dass das Problem die mangelnde Reichweite wäre. In Wirklichkeit sind die Videos einfach nur langweilig und stellen eine billige, deutsche Kopie von MysteryGuitarMan dar (No offense, dude). Aber gut: Hier die Lösungsansätze des Dozenten:

Youtube Star – süße Lösungsansätze

1. Lösungsansatz für dieses Problem ist nach LordAbbadon das “Gepushed” werden von größeren Youtubern. Er erstickt die Idee aber gleich wieder, da damit ein hoher Aufwand verbunden sei und der Zufall eine zu große Rolle spielen würde.

2. Problemlösung: Mund-zu-Mund-Propaganda mittels viralen Videos. An dieser Stelle machen alle Journalisten, Blogger, Experten und LordAbbadon den selben Fehler: Welchen Inhalt hat das virale Video?

Diese Frage wird grob mit Qualität, Professionalität und Seeding beantwortet, die wiederum von allen Social Media Propheten nie inhaltlich ausgefüllt werden.

LordAbbadon fängt daraufhin an, über finanzielle Unterstützung von Youtubern zu reden, worauf der Teilnehmer nur kichernd antwortet, dass er noch minderjährig sei. Die Frage blieb unbeantwortet.

Abschließend der Geheimtipp des Workshops: Die Videos müssen lustig oder musikalisch ansprechend sein. 

Doch dann doch tatsächlich ein interessanter Aspekt, der im Workshop thematisiert wird: Das Branding – das Bilden einer Youtube Identity.

Aber: Ein interessanter Brand setzt interessanten Content voraus. Hier könnten wir auch die klassischen Begriffe raushauen, ohne uns die Finger zu verbrennen: Qualität, Konstanz, Quantität, Seeding, Reichweitenbildung, bla, bla, bla. Kein konkreter Inhalt, keine konkrete Idee!

Ich wollte noch kurz anmerken: Ich habe nichts persönlich gegen LordAbbadon und sein Format. Es bietet sich nur an, das Video mit der “klickattraktiven” Überschrift “Als Youtuber erfolgreich werden”, als Leitfaden für diesen Artikel zu missbrauchen (?), um die scheinbare Existenz von Grundlagen für den Youtube-Erfolg zu verneinen und dies argumentativ.

Die Pro/Contra-Gegenüberstellung ist auch äußerst zweifelhaft, bzw. die jeweiligen Implikationen:

Pro Contra
Aktuelles Thema => Viele Leute schauen es Schnell nicht mehr aktuell => Die verbleibenden Videos werden nicht geschaut.

Ich glaube hier eher an den Werbeeffekt: Wirkst du sympathisch auf den User, dann ist dieser doch nicht abgeneigt, weitere Videos von dir zu schauen? Oder doch?

Zuletzt ein Hinweis an die Teilnehmer von LordAbbadon:

Macht nur Videos, die euch Spaß machen

Aber wer macht den bitte Videos, die einem keinen Spaß machen? Das setzt doch gerade die Videoproduktion voraus, darum sitzen sie doch da in diesem Raum und hören ihm zu? Die wollen mit dem Spaß Geld machen?

Lisa Ludwig von Vice.com hat die ganze Thematik noch einmal überspitzt beschrieben.


Jetzt mal genug beschwert: Youtube Star werden – was nun?

Youtube Content Ideen braucht das Land. Das Einzige, was euch da draußen zu einem Youtube Star macht, ist der Content. Keine Uploadfrequenz (Denkanstoß: Was wird besser geteilt: Ein unerwartetes Video mitten in der Woche oder ein Video von einem regelmäßigen Format?),

kein Geschwafel über Qualität und Quantität,

keine unnötige Diskussion über Kanalnamen, Kanalfarben, etc. (Das ergibt sich aus deinen Videoideen).

Ihr braucht ein alternatives Format, eine kleine Revolution, wenn ihr ein wirklicher Youtuber Star werden wollt. (Und manchmal spielt auch Glück mit). Und dazu kann euch keiner eine Formel nennen. Fertig.

Marvin Joers
Founder of OnlineMarketingScience, Wirtschaftsinformatiker, (Noch-)Student & Citymensch.

Ich interessiere mich vor allem für das Thema Big Data, Data Science, Google Analytics und Business Process Optimization im Online-Geschäft.

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